Kennzahlen und Checklisten
Das Kennzahlenssystem
Kennzahlen messen die Qualität der Leistungserbringung von Werkstätten in Bezug auf Teilhabe am Arbeitsleben von Mitarbeitenden mit Behinderungen. Die Kennzahlen sind dabei als Indikatoren oder Messfühler zu verstehen, welche Aussagen zur Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität ermöglichen. Für die Analyse und Interpretation der Auswertungsergebnisse sind immer die Fachkompetenz und das Hintergrundwissen der Einrichtungen notwendig. Checklisten erfragen Angaben zu Prozessen, Verfahren und Strukturen, um beispielsweise das Vorgehen einer Werkstatt im Integrationsmanagement zu verstehen und mit der eigenen Werkstatt zu vergleichen.
Wesentliche Voraussetzung für Qualitätsmessungen ist ein einheitliches, systematisches Vorgehen. Die Mess-Ergebnisse können nur dann für die Umsetzung von Verbesserungen und für den Vergleich der Werkstätten untereinander genutzt werden, wenn die Daten vollständig und zuverlässig sind. Aus diesem Grund müssen die vereinbarten Vorgaben zur Umsetzung der Messung unbedingt eingehalten werden!
Wie werden die Daten erfasst?
Es liegen rund 20 Kennzahlen und 3 Checklisten vor, die sich aus den Zielen der Qualitätsdefinition ableiten. Nicht jede Kennzahl und jede Checkliste muss jedes Jahr gemessen werden: Manche Kennzahlen und die Checklisten werden nur alle zwei Jahre erhoben. Für jede Kennzahl liegt ein sogenannter Kennzahlensteckbrief vor.
- Kennzahlensteckbrief: Er enthält alle zur Umsetzung der Messung notwendigen Informationen dazu, was wann für welche Personen erhoben wird und welche Besonderheiten dabei zu beachten sind. Alle Kennzahlen können direkt elektronisch in die Kennzahlendatei eingetragen werden.
- Messungen zum 31.12: Bei einigen Kennzahlen ist für den Vergleich mit anderen Einrichtungen die Erfassung zu einem vereinbarten Stichtag die praktikabelste Lösung. Dabei muss ein bestimmter Wert nicht an diesem Tag erhoben werden. Es muss aber sichergestellt sein, dass die Daten, die für diese Kennzahl notwendig sind, in der Werkstatt für diesen Zeitpunkt abrufbar sind. Verfügt eine Werkstatt nicht über eine entsprechende Dokumentation, empfiehlt es sich, die Messung zeitnah Ende des Messjahres herum durchzuführen.
- Messungen über das gesamte Messjahr hinweg: Für die übrigen Kennzahlen werden die Daten im gesamten Jahresverlauf erhoben und müssen bis zum Jahresende vollständig in der Kennzahlendatei eingegeben werden. Es bleibt der Werkstatt überlassen, in welcher Form sie die Informationen bis dahin dokumentiert, direkt in der Kennzahlendatei, über werkstatteigene Dokumentationssysteme, im Fall der ABM/ABA über eine entsprechende Hilfstabelle oder im Ausnahmefall über Hilfslisten auf Papier.
Wann erfolgt die Weiterleitung der Daten?
Werkstattintern wird festgelegt, welche Daten bis wann an wen weitergeleitet werden sollen. Zur Auswertung der Daten müssen alle Angaben in die Kennzahlendatei übertragen werden. Bitte übermitteln Sie die Kennzahlendatei zu den folgenden Terminen an das ITA:
- Spätestens: 15.01.
- Deadline: 31.01.
Bitte senden Sie keine Dateien per Email zu. Die Kennzahlendatei, die Makros enthält (xlsm-Datei) kann nicht per Email versendet werden. Nutzen Sie zum Transfer von Dateien immer die geschützten Cloudordner. Die Benchmarking-Teams jeder Werkstatt verfügen über die entsprechenden Zugangsdaten.
Hinweis: Sollte auch bis dahin bei Ihnen die Datenlieferung nicht klappen, bedeutet das natürlich nicht, dass wir Ihre Daten gar nicht mehr auswerten. Wir können dann nur nicht mehr mit der Gesamtauswertung für alle anderen WfbM warten. Das heißt, später eintreffende Daten werden selbstverständlich auch ausgewertet, können aber u.U. nicht im Rahmen des Benchmarkings und der Rangplatzbewertung genutzt werden. Ihren Auswertungsbericht erhalten Sie in jedem Fall! Das gleiche gilt für Korrekturen: Wenn Ihnen beim Studium des fertigen Auswertungsberichts oder auch erst bei der Ergebnispräsentation später im Jahr noch Fehler oder fehlende Daten auffallen, ist eine Korrektur selbstverständlich möglich.
Kennzahlensteckbriefe
Stammdaten zur Strukturierung der Mitarbeiter mit Behinderungen
Kennzahlen
- Förderpläne/Teilhabepläne: Anzahl Personen im Arbeitsbereich mit vollständigem, individuellem Förder-/Teilhabeplan, der gemeinsam zwischen der Person bzw. dessen berechtigtem Vertreter und dem Fachpersonal vereinbart wurde.
- Begegnungsfördernde Arbeitsplätze: Anzahl Personen, mit werkstattinternem begegnungsförderndem Arbeitsplatz zum Stichtag 31.12., bezogen auf die Anzahl aller Personen.
- Betriebsintegrierte Arbeitsplätze: Anzahl Personen, die im Messjahr zwischen 01.01. -31.12. einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz hatten bzw. haben, bezogen auf die Anzahl aller Personen. Zusatzangaben: Geplante BiAp und Rückkehrer von BiAp.
- Interne/Externe Praktika: Anzahl Praktika, die von Personen absolviert werden, bezogen auf die Anzahl aller Personen. Zusatzangaben: Anzahl im Förder-/Teilhabeplan für das Messjahr vereinbarter Praktika, die im Messjahr durchgeführt wurden, bezogen auf die im Förder-/Teilhabeplan mit Zielvereinbarung geplanten Praktika.
- Übergangsvorbereitung: Anzahl Personen, deren Förderziel die Vorbereitung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt ist oder für die bereits eine Kontaktanbahnung mit dem IFD stattgefunden hat, und die im Messjahr an besonderen Maßnahmen oder Schulungen für den Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt teilgenommen haben, bezogen auf die Anzahl aller Personen.
- Übergänge/Vermittlungen mit/ohne Budget für Arbeit: Anzahl Personen, die die Werkstatt wegen Übergang/Vermittlung mit oder ohne Nutzung des Budgets für Arbeit auf den allg. Arbeitsmarkt (inkl. in eine Berufsbildung), in Inklusionsbetriebe oder in weiterführende Maßnahmen verlassen, bezogen auf Anzahl aller Personen.
- Monatliches Durchschnittsentgelt: Durchschnittliches monatliches Entgelt aller Personen im Arbeitsbereich, errechnet als Bruttojahreseinkommen der Personen im Arbeitsbereich, bezogen auf 12 Monate.
- Fähigkeitsentwicklung: Für jede Person werden einmal pro Jahr 5, bei psychisch Behinderten 9 Fähigkeitsdimensionen von der Gruppenleitung auf einer Skala von 1 bis 5 eingeschätzt.
- ABM/ABA-Teilnahme: Für jede Person im Arbeitsbereich wird die Teilnahme an bis zu vier arbeitsbegleitenden Maßnahmen im Messjahr dokumentiert.
- NEU: Summe durchgeführter Einzelfördermaßnahmen: Für Personen mit speziellem Förder- bzw. Assistenzangebot (AB-SF) wird die Summe durchgeführter Einzelförderangebote dokumentiert
- Profilvergleich (freiwillige Vertiefungskennzahl): Anzahl Personen im Arbeitsbereich, die fördernd, entsprechend ihrer Fähigkeiten, unter- bzw. überfordert am Arbeitsplatz eingesetzt werden, bezogen auf alle im Messjahr in die Messung einbezogenen Personen im Arbeitsbereich.
- Angebotene Stunden arbeitsbegleitender Maßnahmen/Angebote: Anzahl angebotener Stunden an arbeitsbegleitenden Maßnahmen/Angeboten je inhaltlicher Kategorie im Messzeitraum, bezogen auf die Anzahl aller Personen.
- Wahrgenommene Stunden arbeitsbegleitender Maßnahmen/Angebote: Anzahl wahrgenommener Stunden an arbeitsbegleitenden Maßnahmen/Angeboten je inhaltlicher Kategorie im Messzeitraum, bezogen auf die Anzahl angebotener Stunden an arbeitsbegleitenden Maßnahmen/Angeboten im Messzeitraum.
- Teilnahme an Fort- und Weiterbildung bzw. Supervision/Coaching von Fachpersonal/Führungskräften: Teilnahme an Fort-/Weiterbildungsmaßnahmen und Teilnahme an Supervisions-/Coachingangeboten vom Fachpersonal und von Führungskräften, bezogen auf die Gesamtzahl an Fachpersonal und Führungskräften.
- Wahrgenommene Fortbildungs-/Coachingstunden: Anzahl wahrgenommener Stunden an Fort-/Weiterbildungsmaßnahmen und an Supervision-/Coachingangeboten vom Fachpersonal und von Führungskräften bezogen auf die Gesamtzahl an Fachpersonal und Führungskräften.
- Gruppenleitung mit Zusatzqualifikation (nur in geraden Jahren): Anzahl Fachpersonal in Gruppenleitungsfunktion, das zum Stichtag 31.12. über eine für die Anerkennung der WfbM erforderliche pädagogische (Zusatz-)Qualifikation verfügt, bezogen auf die Anzahl Fachpersonal in Gruppenleitungsfunktion. Zusätzlich: Anzahl Fachpersonal in Gruppenleitungsfunktion mit gFab-Ausbildung.
- Berufsbilder (nur in ungeraden Jahren): Anzahl Berufsbilder, für die Bildungsrahmenpläne zum Stichtag 31.12. in der Werkstatt vorliegen
- NEU: Zertifizierte Qualifizierungsangebote (nur in ungeraden Jahren): Anzahl & Absolventen von (A) Zertifizierten Teilqualifizierungen, (B) Zertifikatslehrgängen mit netZ sowie (C) Zertifizierten Qualifizierungsbausteinen
- Angestellte mit dreijähriger Berufsausbildung (nur in geraden Jahren): Anzahl Angestellter, die direkt mit der Assistenz, Förderung oder Betreuung der Mitarbeiter beauftragt sind und die zum Stichtag 31.12. eine abgeschlossene dreijährige Berufsausbildung oder einen Studienabschluss haben, bezogen auf die Anzahl Angestellte, die direkt mit der Assistenz, Förderung oder Betreuung der Mitarbeiter beauftragt sind.
- Beteiligung an letzter Wahl von Werkstattrat und Frauenbeauftragter (alle vier Jahre): Anzahl Personen, die sich an der letzten Wahl des Werkstattrats sowie NEU an der letzten Wahl der Frauenbeauftragten beteiligt haben, bezogen auf die Anzahl wahlberechtigter Personen zum Zeitpunkt der jeweiligen Wahl.
Checklisten
Über die Erhebung von Voraussetzungen, Prozessen und Verfahren wird ein strukturierter Vergleich zwischen Werkstätten ermöglicht, ohne dass hierzu die Bestimmung des oder der »Besten« notwendig wird. Alle Checklisten werden über Onlineformulare bereitgestellt. Hierzu bekommen Sie die individuellen Zugangslinks für Ihre Werkstatt im Laufe des Messjahres zugeschickt. Checklisten werden immer für die Gesamt-WfbM, nicht für einzelne Standorte ausgefüllt! Derzeit sind drei Checklisten im Einsatz:
- NEU Checkliste Arbeitsmarktorientierung (nur in geraden Jahren): Die Checkliste erfasst strukturelle und organisatorische Informationen zur Orientierung der Werkstatt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt.
- Checkliste Inklusion (nur in ungeraden Jahren): Die Checkliste »Inklusive Werkstatt« dient der werkstattinternen Auseinandersetzung, wie Inklusion im Arbeitsalltag der Werkstatt erlebt wird. Hierzu wird die Checkliste durch drei Gruppen ausgefüllt: Werkstattrat/Vertretung der Mitarbeitenden mit Behinderung, Vertretung des Fachpersonals, Geschäftsführung/Werkstattleitung.
- Checkliste Gewaltprävention (nur in ungeraden Jahren): Die Checkliste Gewaltprävention erfasst Strukturen und Prozesse zur Prävention und Reaktion bei Gewaltereignissen in der Werkstatt. Sie geht über die gesetzlich geforderten Mindestanforderungen hinaus und ermöglicht einen vertieften Austausch.