Befragung der Mitarbeitenden/Beschäftigten
Was wird gemessen?
Erhoben wird, wie Mitarbeitende ihre Teilhabemöglichkeiten und die Unterstützungsleistungen der Werkstatt werkstattintern oder auf betriebsintegrierten Arbeitsplätzen bewerten. Bewusst wird hier nicht nach der Zufriedenheit mit einem bestimmten Leistungsangebot gefragt, sondern nach dem Erleben von relevanten Sachverhalten im Alltag der Werkstatt bzw. am Arbeitsplatz. Zentrale Inhalte der Befragung sind die in der Qualitätsdefinition benannten Ziele der Teilhabe. Die Mitarbeitenden-Befragung ergänzt die sog. objektive Kennzahlenmessung durch die subjektive Bewertung der Mitarbeitenden. Werkstätten können entscheiden, ob sie dabei nur einen vorausgewählten Basissatz an Fragen nutzen oder diese Auswahl noch anhand des bestehenden Fragenpools bzw. durch werkstatt-eigene Fragen ergänzen.
Wie und wie oft wird das Erleben von Leistungsqualität erfasst?
Die Befragung erfolgt in der Regel als strukturiertes Interview, wobei die Werkstatt für Organisation der Interviews, Auswahl und Schulung der Interviewer*innen zuständig ist. Als Interviewer*innen kann werkstatteigenes oder externes Personal (z.B. Studierende oder Auszubildende der Heilerziehungspflege) eingesetzt werden. Wenn internes Personal eingesetzt werden soll, können bspw. Gruppenleitungen eines Standorts Interviews an einem anderen Standort durchführen.
Vorteile des Vorgehens mit internem Personal:
- Keine Honorarkosten
- Niedriger Aufwand für einzelne Interviewer (jeweils nur 10-20 Interviews)
- Hohe Qualität, da fachkompetentes Personal
- Breite Einbeziehung des Personal in die interne Qualitätsbewertung --> Alle erleben die Stimmung mit
Vorteile des Vorgehens mit externen Kräften:
- Kein Aufwand für internes Personal
- Kennenlernen möglicher zukünftiger Fachkräfte
Besonders mit externen Personen ist der Schulungsaufwand höher, da diese Personen Ihre Mitarbeitenden nicht kennen und ggfs. wenig Erfahrung im Umgang mit Menschen mit Behinderung haben.
Die Befragung wird mit Hilfe eines Tablets oder Laptops papierlos durchgeführt. Eine Erhebung mit Papier-Fragebögen ist nicht vorgesehen. Zur Durchführung der Befragung ist eine Internetverbindung notwendig. Es werden vorwiegend geschlossene, einfach formulierte Fragen gestellt, die durch offene Fragen zu den einzelnen Dimensionen ergänzt werden. Um vergleichbare Ergebnisse sicherzustellen, legt eine verbindliche Richtlinie das Vorgehen bei der Mitarbeiterbefragung fest. Die Befragung wird in der Regel alle drei Jahre durchgeführt.
Einige Informationen vorab
Die Onlineumfrage für Ihre Mitarbeitendenbefragung stellen wir für jede Werkstatt individuell zusammen. Möchten Sie im aktuellen Messjahr eine Mitarbeitendenbefragung durchführen? Dann geben Sie uns einfach eine kurze Rückmeldung zu folgenden Fragen:
- Von wann bis wann soll die Befragung stattfinden? Der Endzeitpunkt kann später noch beliebig verlängert werden.
- Werden alle Fragebögen (1. “Basis plus“ für werkstattintern Beschäftigte; 2. Kurzversion „Basis einfach“ für werkstattintern Beschäftigte mit höherem Unterstützungsbedarf bzw. niedriger Aufmerksamkeitsspanne; 3. Version „BiAp“ für betriebsintegriert Beschäftigte) regulär eingesetzt?
- Sollen Fragen aus dem Fragenpool oder werkstatt-eigene Fragen ergänzt oder Fragen gestrichen werden? Bei der Ergänzung werkstatt-eigener Fragen nennen Sie uns die genaue Frageformulierung und die Antwortskala. Möglich sind geschlossene Fragen mit bis zu 6 Antwortmöglichkeiten und offene Fragen für Texteingaben. Empfehlenswert ist, die Standard-Antwortskala "Ja", "Eher ja", "Eher nein" und "Nein" zu nutzen.
Für die Befragung werkstattintern und betriebsintegriert beschäftigter Mitarbeitender wurde in Zusammenarbeit mit verschiedenen Werkstätten eine einfache Sprache gewählt. Eine vollständige Übersetzung in Leichte Sprache wurde jedoch nicht angestrebt, da bei einzelnen Fragen eine gewisse Komplexität notwendig ist. Ein zu starkes Abweichen von den einheitlichen Formulierungen des Fragebogens durch individuelle Anpassungen führt aber zu einer Einschränkung der Vergleichbarkeit von Auswertungsergebnissen und ist daher nicht zulässig. Ihre Verbesserungsvorschläge für Formulierungen nehmen wir gerne auf und berücksichtigen sie bei kommenden Weiterentwicklungsverfahren. Nutzen Sie für Mitarbeitende mit stark eingeschränkten Kommunikations- und/oder intellektuellen Fähigkeiten die Kurzversion.
Wer wird in die Messung einbezogen?
1. In die Messung können alle Mitarbeitende einbezogen werden, die zum festgelegten Zeitpunkt der Befragung mindestens 6 Wochen in der Werkstatt bzw. am BiAp sind. 2. Der Soziale Dienst entscheidet, im Zweifelsfall gemeinsam mit der Gruppenleitung, welche Mitarbeitende an der Messung teilnehmen können und welcher Fragebogen genutzt werden soll. Für Mitarbeitende mit starken intellektuellen und/oder kommunikativen Einschränkungen steht eine Kurzversion (Basis einfach) zur Verfügung. Welche Mitarbeitende mit welcher Version befragt werden sollen, wird im Feststellungsbogen dokumentiert. Der Feststellungsbogen dient der Planung und Organisation der Messung und listet alle zu befragenden Personen sowie relevante Informationen zu den jeweiligen Personen auf. Nach jedem Interview vermerkt der/die Interviewer*in die Durchführung und ggf. Besonderheiten zum Verlauf. Der Feststellungsbogen ermöglicht daher eine Übersicht, welche Personen noch befragt werden müssen und Interviews bereits abgeschlossen wurden. Er wird als Exceldatei zur Verfügung gestellt und kann mit Hilfe der Kennzahlendatei automatisiert mit den Namen einer Gruppe vorausgefüllt werden. Der Feststellungsbogen wird nicht ausgewertet, sondern dient nur Ihrem internen Ablauf. 3. Im Feststellungsbogen werden vom Sozialen Dienst vor der Befragung persönliche Angaben zu den Mitarbeitenden gemacht (u.a. Geschlecht, Alter, aktueller Bereich, Dauer der Werkstattzugehörigkeit). Diese Informationen dienen der statistischen Auswertung. Sie dürfen im Fragebogen nur dann angegeben werden, wenn der Befragte damit einverstanden ist. Es ist Ihre Aufgabe als Interviewer, den Mitarbeitenden danach zu fragen, ob er mit der Angabe dieser Daten einverstanden ist. Es besteht nach Auswertung der Daten keine Möglichkeit, Rückschlüsse auf den einzelnen Personen zu ziehen!
Wie werden die Mitarbeitenden befragt?
4. Um einen größtmöglichen Anteil der Mitarbeitenden in die Befragung einbeziehen zu können, wird die Mitarbeitendenbefragung in der Regel als Interview durchgeführt. 5. Es wird eine leicht zu benutzende Onlineumfrage (d.h., die Erhebung der Daten am Tablet, PC oder Notebook) eingesetzt. 6. Die Verwendung eines Papierfragebogens ist nicht vorgesehen und kann nur im Ausnahmenfall mit Zusatzaufwand erfolgen. In diesem Fall werden die Antworten auf dem Fragebogen dokumentiert. Im Anschluss an das Interview erfolgt die Datenübertragung in die Onlineumfrage. Die Übertragung der Antworten muss durch Werkstattpersonal erfolgen. Ggfs. kann das ITA diese Übertragung über stud. Hilfskräfte übernehmen und dies gesondert in Rechnung stellen. Da die Papiervariante viel Aufwand verursacht, sollte sie nur genutzt werden, wenn es nicht anders möglich ist. 7. Die Befragung kann auch selbständig ohne Interviewer*innen erfolgen, sofern die Befragten Personen dazu in der Lage sind, die Fragen zu verstehen und darauf selbständig zu antworten. Der Soziale Dienst kann im Vorfeld festleen, welchen Personen bzw. Personengruppen das Selbstausfüllen ermöglicht werden kann. Der Zugang zur Onlineumfrage wird den Mitarbeitenden dann übermittelt, so dass die Umfrage mit dem eigenen Smartphone oder einem bereitgestellten Tablet oder Laptop/PC genutzt werden kann. Am besten sollte die Befragung dann in der WfbM bzw. am BiAp ausgefüllt werden. Voraussetzung ist, neben den entsprechenden Fähigkeiten zum Selbstausfüllen, die Anwesenheit eines geschulten Interviewers für Rückfragen.
Was ist bei der Organisation zu beachten?
8. Jede Werkstatt bestimmt selbst, wie oft die Befragung durchgeführt wird. Es ist empfehlenswert, sie zu Beginn der Teilnahme am WfbM-Benchmarking (im ersten oder zweiten Jahr) umzusetzen, um eine erste vollständige Datenerfassung zu haben. Danach empfehlen wir eine Wiederholung mindestens alle drei Jahre. Die Durchführung der Befragung alle zwei Jahre oder sogar jährlich ist ohne Zusatzkosten möglich. Zu bedenken ist neben dem Aufwand dabei, dass Personen bei zu häufiger Befragung interviewmüde werden können. Zudem ist es oft nur schwer möglich, binnen einen Jahres Verbesserungen, die als Konsequenz aus der letzten Befragung angestoßen wurden, umzusetzen. 9. Befragung der werkstattintern beschäftigten Mitarbeitenden: NEU Die Befragung Basis plus bietet einen Satz an 18 Fragen, die die wesentlichen Aspekte der Qualitätsdefinition abdecken. Dieses Basis-Satz wird von allen WfbM gleichermaßen erhoben. Er kann aus vorhandenen Fragen des themenspezifischen Pools oder durch bis zu 10 werkstatteigene Fragen ergänzt werden. 10. Befragung von Mitarbeitenden mit der Kurzversion: NEU Die Version Basis einfach umfasst ebenfalls 18 Fragen. Eine Erweiterung um Zusatzfragen ist nicht möglich. 11. Befragung der betriebsintegriert beschäftigten Mitarbeitenden: NEU Für diese Personengruppe steht die Befragung BiAp zur Verfügung. Auch hier ist bereits ein Basissatz vorausgewählt und kann durch bei Bedarf durch bis zu 10 werkstatteigene Fragen ergänzt werden.
Wer kann als Interviewer Befragungen durchführen?
12. Die Interviewer*innen sollten mit dem Befragten weder beruflich noch privat in direktem Kontakt stehen. Dadurch soll insbesondere das Antwortverhalten der Befragten im Sinne der „sozialen Erwünschtheit“ eingeschränkt werden, um eine Vergleichbarkeit der Daten zu ermöglichen. Keinesfalls sollte die Befragung durch die eigene Gruppenleitung bzw. bei betriebsintegriertem Arbeitsplatz durch den Integrationsbegleitung der Werkstatt erfolgen. Befragungen durch Interviewer*innen aus anderen Betriebsstätten/Standorten der WfbM sind jedoch zulässig. 13. Ausnahme zu Punkt 12: Bei schwer kommunikations-beeinträchtigten Personen, bei denen eine Befragung nur möglich ist, indem die direkte Bezugsperson valide Antworten aus Gesten und Äußerungen zuverlässig erkennen kann, ist es zulässig, dass die Befragung (dann immer mit der Version "Basis einfach") durch die direkte Bezugsperson durchgeführt wird. Diese Ausnahme ermöglicht, dass auch Personen einbezogen werden können, die durch fremde Interviewer*innen nicht befragt werden könnten. Diese stellvertretende Befragionsoption sollte nur dann genutzt werden, wenn die Antworten der befragten Person vertretbar zuverlässig erkannt werden können. 14. Werden externe Interviewer (z.B. Studierende) mit der Durchführung der Befragung beauftragt, müssen Sie bei der Schulung dafür Sorge tragen, dass die regulären Abläufe und Begriffe des Werkstattalltags bekannt sind (ABM-/ABA-Angebot, Betriebsintegrierte Arbeitsplätze usw.), um mögliche Rückfragen im Interview beantworten zu können.
Was ist die Aufgabe der Interviewer*innen?
15. Ziel der Mitarbeitendenbefragung ist es, zu erfahren, wie Mitarbeitende Teilhabemöglichkeiten in den teilnehmenden Werkstätten erleben. Dazu werden die Mitarbeitenden nach ihrem Arbeitsalltag und anderen relevanten Themen befragt. Die erhobenen Daten werden im Anschluss an die Befragung so ausgewertet, dass sich die Werkstätten miteinander vergleichen können und, wenn nötig, Verbesserungen für die Mitarbeitenden vornehmen können. 16. Die Aufgabe der Interviewer*innen bei der Mitarbeitendenbefragung besteht darin, sicherzustellen, dass alle vom Fachpersonal ausgewählten und auf dem Feststellungsbogen dokumentierten Personen an der Befragung teilnehmen können, die Befragung entsprechend der Richtlinie (s. folgenden Abschnitt) durchzuführen sowie die Angaben auf dem Feststellungsbogen zu vervollständigen.
Richtlinie für die Schulung der Interviewer*innen
Was müssen Sie als Interviewer oder Interviewerin im Hinblick auf die Besonderheiten der Befragten wissen?
Vor dem Interview:
17. Es ist unbedingt notwendig, dass Sie sich an die Richtlinie zur Durchführung der Befragung halten. Alle Abweichungen können zu unerwünschten Veränderungen des Befragungsergebnisses führen! Deshalb ist es auch wichtig, dass Sie sich, unabhängig von Ihrer persönlichen Tagesverfassung, jedem/jeder Befragten gegenüber möglichst gleich verhalten. 18. Der Feststellungsbogen dient Ihnen als Organisationsinstrument: Hier finden Sie alle notwendigen Angaben zu den Mitarbeitenden, die interviewt werden sollen, wie Angaben zu ihrer Person oder ggf. notwendige kommunikationsunterstützende Hilfsmittel. 19. Machen Sie sich vor dem Interview mit den Angaben des Feststellungsbogen, der Onlineumfrage, den Bedingungen vor Ort (Technische Ausstattung wie Laptop oder Tablet, Befragungsraum, Internetverbindung, Ansprechpartner, evtl. Besonderheiten der zu befragenden Mitarbeitendem u.Ä.) und ggf. mit den eingesetzten Hilfsmitteln zur Kommunikationsunterstützung genau vertraut, damit Sie sich von Beginn an immer möglichst gleich verhalten können. 20. Sie haben es mit Mitarbeitenden mit Behinderungen zu tun. Neben dem normalen Maß an Achtung der Persönlichkeit des/der Befragten, erfordert der Umgang mit Menschen mit Behinderungen besonderes Einfühlungsvermögen.
Während des Interviews:
21. Achten Sie auf die Besonderheiten der Befragten. Sorgen Sie für eine angenehme Gesprächsatmosphäre. Behalten Sie Ihr Ziel, mit dem Mitarbeitenden ein Interview vollständig zu Ende zu bringen, immer vor Augen. 22. Holen Sie den jeweiligen Mitarbeitenden nach Absprache mit der Gruppenleitung in der Werkstatt bzw. dem/der Ansprechpartner/in im Betrieb ab. 23. Beim Abholen begrüßen Sie den Mitarbeitenden und erklären ihm kurz, warum Sie ihn abholen und wo Sie miteinander hingehen werden. „Guten Tag, ich bin der Herr ... / die Frau .... Ich nehme Sie jetzt mit in den Raum ... . Dort können wir in Ruhe miteinander sprechen.“ 24. Auf dem Weg zu dem Raum, in dem das Gespräch stattfinden wird, kann mit dem Mitarbeitendem ein kurzes, unverbindliches Gespräch stattfinden. Z.B. „Wie geht’s Ihnen heute?“ 25. Wenn Sie bemerken, dass der Mitarbeitende aufgeregt ist, versuchen Sie, ihn zu beruhigen, indem Sie ihm erklären, was auf ihn zukommt: „Sind Sie aufgeregt?“ (Ja) „Wir gehen jetzt zusammen in den Raum (...). Dort will ich Ihnen ein paar Fragen stellen, wie es Ihnen hier in der Werkstatt/hier in Ihrem Betrieb gefällt/ geht.“ 26. Die Befragung von Mitarbeitenden mit betriebsintegriertem Arbeitsplatz kann in der Werkstatt oder in einem separaten Raum am betriebsintegriertem Arbeitsplatz durchgeführt werden. Der Arbeitgeber sollte zuvor informiert werden. 27. Wenn der Mitarbeitende eine Vertrauensperson zu dem Interview mitnehmen will, so lassen Sie das zu, wenn sich eine Gruppenleitung oder eine andere Person dazu bereit erklärt (Angabe auf dem Feststellungsbogen). Weisen Sie dieser Person einen Platz im Hintergrund des Befragungsraums zu und bitten Sie um Zurückhaltung. Falls Sie merken, dass der Befragte nicht unbeeinflusst von der Vertrauensperson antworten kann, brechen Sie die Befragung ab (Verhalten beim Abbruch s.u.). 28. Bei der Onlineumfrage ist es zur Wahrung einer kooperativen Befragungssituation hilfreich, die Sitzordnung so zu wählen, dass der Befragte mit auf den Bildschirm sehen kann. Wenn Sie eine andere Sitzordnung wählen, achten Sie bitte unbedingt darauf, durch die Verwendung eines Notebooks keine unnötige Barriere zwischen dem Befragten und Ihnen aufzubauen. 29. Nutzen Sie die Kurzversion, muss der Befragte die Möglichkeit haben, die zu den Fragen gehörenden Bilder zu sehen. 30. Beginnen Sie nun mit dem Interview: Sagen Sie den Text des Einführungsteils des Interviewfragebogens. Schauen Sie den Mitarbeitenden währenddessen an und stellen Sie dabei fest, ob er aufmerksam ist und Ihnen folgen kann. Falls Sie den Eindruck haben, dass der Mitarbeitende Ihnen nicht folgen kann, sprechen Sie ihn erneut an und wiederholen Sie die relevanten Textpassagen. Am Ende des Textes auf der Startseite fragen Sie: „Haben Sie verstanden, was ich Ihnen erklärt habe?“ Bei ja weiter, bei nein Wiederholung der relevanten Passagen. „Dann fange ich jetzt mit der ersten Frage an.“ 31. Die erste Frage ist für Sie und den Mitarbeitenden als Einstiegsfrage gedacht. Lesen Sie dem Mitarbeitenden die Frage langsam vor. Wiederholen Sie gegebenenfalls die Frage. Bleiben Sie grundsätzlich möglichst streng am Text, um unerwünschte Effekte durch Um- oder Falschinterpretationen zu vermeiden. Haben Sie Geduld! 32. Bei Mitarbeitenden mit stark eingeschränkten kognitivenoder kommunikativen Fähigkeiten können Bildtafeln mit werkstattüblichen Symbolen für „Ja“ und „Nein“ (z.B. Farben grün und rot, Daumen hoch und runter) bzw. andere kommunikationsunterstützende Hilfsmittel eingesetzt werden. Bei Personen, die Bildtafeln nutzen, werden nur die Antwortkategorien „Ja“ und „Nein“ verwendet (Angabe auf dem Feststellungsbogen). 33. Lesen Sie bei jeder Frage die möglichen Antwortalternativen vor, auch wenn der Mitarbeitende mit Ihnen gemeinsam auf den Bildschirm schaut. Kreuzen Sie immer die Antwortalternative an, die am ehesten der Antwort des Befragten entspricht. Achten Sie auch auf die „Zwischentöne“, wenn die Antwort zwischen „ja“ und „nein“ zu liegen scheint! Antwortet der Befragte nicht oder ist die Antwort völlig unklar, wählen Sie die Option „Keine Antwort“. 34. Gehen Sie auf Verständnisfragen des Befragten ein, achten Sie aber darauf, dass Sie möglichst streng an der vorgegebenen Formulierung bleiben, um mögliche Fehlinterpretationen zu vermeiden. 35. Versteht der Befragte die Frage nicht, kann diese noch einmal wiederholt werden. Falls notwendig, darf die Frage anschließend höchstens einmal umformuliert werden. Wird auch dann die Frage nicht verstanden, soll die Option „Keine Antwort“ ausgewählt werden. 36. Werkstattspezifische Begriffe (z.B. "Begleitender Dienst" anstatt "Sozialer Dienst") sollten bereits im Vorfeld bzw. bei der Schulung mitgeteilt und/oder in der Umfrage durch die in der Werkstatt üblichen Begriffe ausgetauscht sein. Sollten trotzdem während des Interviews unklare Begriffe auftauchen, die in der Werkstatt anders genutzt werden, können diese abweichend von der Formulierung in der Umfrage genutzt werden. Bei den Fragen nach Werkstattrat und Frauenbeauftragter können auch die Namen der Werkstatträte/Frauenbeauftragten genannt werden, wenn die Begriffe unbekannt sind. 37. An verschiedenen Stellen der Befragung werden, je nach Beantwortung bestimmter Fragen, weitere Fragen übersprungen. Dies funktioniert bei der Onlineumfrage automatisch. Bei Verwendung der Papierversion, die nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden kann, sollte sich der Interviewer mit den entsprechenden „Weiterleitungen“ vor dem Interview vertraut machen. 38. Halten Sie während der Befragung möglichst viel Kontakt (Blick, offene Haltung, u.Ä.) mit dem Befragten, um eine Vertrauenssituation zu schaffen/zu erhalten und um zu erspüren, inwiefern der Befragte Ihnen folgen kann. 39. Wenn der Befragte abschweifen will, holen Sie ihn zum Thema zurück, z.B. indem Sie sagen: „Herr.../ Frau ... ich möchte gerne von Ihnen wissen ...(Fragetext). Das (was Sie gerade ansprechen/Thema/...) besprechen wir, wenn wir hier fertig sind.“ Wenn Sie den Verweis auf später als Anreiz zur Kooperation benutzen, sollten Sie sich nach Abschluss des Interviews auch kurz Zeit nehmen, auf die Belange des Befragten einzugehen, falls dieser das dann noch will. 40. Erfahrungsgemäß können offene Fragen („Möchten Sie zum Thema xy noch etwas sagen?“) Mitarbeitende mit Behinderungen auch verunsichern. Animieren Sie daher den Befragten nicht vehement, hier eine Antwort zu geben. 41. Notieren Sie bei den offenen Fragen möglichst genau das, was der Befragte sagt. Fassen Sie nur dann zusammen, wenn der Befragte sich selbst nicht beschränken kann. Notieren Sie keine Wiederholungen, da es hier nur auf den Inhalt und nicht auf die Menge des Gesagten ankommt. 42. Achten Sie darauf, ob der Befragte weitgehend aufmerksam ist, das, was Sie sagen versteht und bereit ist, zu kooperieren. 43. Falls Sie während des Interviews bemerken, dass der Befragte nicht mehr aufmerksam ist, zu einem monotonen Verhalten übergeht (z.B. nichts mehr sagt, nur noch mit "ja" antwortet, o.Ä.) oder aggressiv auf Sie reagiert, brechen sie die Befragung ab. Verhalten zum Abbruch siehe Abschnitt „Interview“ Punkt 50. 44. Falls Sie selbst Schwierigkeiten im Umgang mit Befragten haben (Unwohlsein, Unsicherheit, Schwierigkeiten beim Befragten Aufmerksamkeit zu erreichen, o.Ä.) machen Sie einen Vermerk mit einer kurzen Situationsbeschreibung im Feststellungsbogen und wenden Sie sich bei grundsätzlichen Schwierigkeiten an Ihre werkstattinterne Projektleitung. 45. Angaben zur Person: Die Angaben zur Person werden nur mit Einverständnis des Befragten aufgenommen. Ein Rückschluss auf die Person ist nicht möglich.
Am Ende der Interviews:
46. Ende der Befragung: Sagen Sie dem Mitarbeitenden, dass die Befragung nun zu Ende ist und bedanken Sie sich bei ihm. 47. Bringen Sie dann den Mitarbeitenden zu seiner Gruppe zurück und übergeben Sie ihn dort, wo Sie mit der Gruppenleitung vereinbart haben. Bei einem Gespräch auf dem Rückweg können Sie nach dem Befinden des Mitarbeitenden fragen o.Ä. Wichtig ist, dass Sie nur die Informationen zur Befragung weitergeben, die Sie auch vor dem Interview weitergegeben haben, damit alle Mitarbeitenden in gleicher Weise informiert sind. 48. Vergessen Sie bitte nicht, alle notwendigen Angaben auf dem Feststellungsbogen zu vervollständigen. 49. Notieren Sie besondere Vorkommnisse oder Auffälligkeiten während der Befragung auf dem Feststellungsbogen. 50. In folgenden Fällen können Sie das Interview abbrechen: - a. Sie bemerken, dass der Befragte Ihnen nicht (mehr) folgen kann, Sie nicht (mehr) versteht.
- b. Sie merken, dass der Befragte ohne Verständnis der Frage monoton antwortet (z.B. immer nur „Ja“ antwortet.)
- c. Sie merken, dass der Befragte Ihnen oder einer dritten Person mit seinen Antworten gefallen will und nicht sein Empfinden ausdrückt.
- d. Der Befragte reagiert aggressiv auf Sie.
- e. Der Befragte hat körperliche oder psychische Probleme aufgrund der Befragungssituation, die eine weitere Befragung ethisch nicht vertretbar erscheinen lassen.
- f. Der Befragte bittet um den Abbruch der Befragung.
- g. Die Vertrauensperson bemerkt, dass der Befragte nicht mehr folgen kann, monoton antwortet oder das Interview abbrechen möchte.
51. Verhalten bei Gesprächsabbruch: Falls kein sofortiger plötzlicher Abbruch notwendig ist, legen Sie eine kurze Pause ein, während der die Onlineumfrage geöffnet bleibt (5 Min.). Die Achtung des Befragten geht jedoch immer vor! Notieren Sie den Grund des Gesprächsabbruchs auf dem Feststellungsbogen.
Hinweise zur Durchführung der Onlineumfrage
Zur Durchführung der Onlineumfrage erhalten Sie einen Link und einen QR-Code, über den die Befragung erreicht wird. Zu Beginn steht eine Filterfrage, welche Version verwendet werden soll. Ihre Interviewer*innen entnehmen dem Feststellungsbogen die Information, welcher Befragte die Version Basis plus, Basis einfach oder BiAp benötigt. Nach Beantwortung der Filterfrage werden automatisch nur die benötigten Fragen der richtigen Version angezeigt. Die Beantwortung funktioniert durch einfaches Anklicken der Antwortmöglichkeit bzw. Eingabe des Textes. Interviewer*innen und Befragte schauen dabei am besten gemeinsam auf das Tablet, den Laptop oder den PC. Die Eingaben werden automatisch gespeichert. Bei vorzeitigem Abbruch, ohne auf die "Absenden"-Taste am Ende zu klicken, werden die Antworten dennoch gespeichert. Um abzubrechen, ohne dass Antworten gespeichert werden, steht eine entsprechende Schaltfläche zur Verfügung.
Alle Antworten werden anonym gespeichert, d.h. es ist nicht möglich, etwa anhand von Namen, Personalnummer o.ä. bestimmte Datensätze zu identifizieren. Die einzige Angabe, die ermöglicht, im Nachhinein einen bestimmten Datensatz zu findem, bspw. um ihn zu löschen, weil Fehler aufgetreten sind, ist das Datum und die Uhrzeit, die vom System gespeichert werden. Notieren Sie daher ggfs. Datum und Uhrzeit des Befragungsstarts, um nachträgliches Auffinden von Datensätzen zu ermöglichen. Einblick in die Antworten hat ausschließlich des Benchmarking-Teamm des ITA.
Die Befragung ist in der Regel als Interview mit geschulter Befragungsperson vorgesehen. Bei Personen, die als Selbstausfüller*innen die Befragung selbständig umsetzen können, besteht auch die Möglichkeit, die Befragung am Smartphone oder an anderen, zur Verfügung stehenden Endgeräten durchzuführen. Die Teilnahme sollte dabei eher innerhalb der Werkstatt (bzw. am BiAp) und nicht zu Hause stattfinden, um Beeinflussungen durch Dritte zu reduzieren. Außerdem sollte im Falle von Rückfragen eine geschulte Unterstützungsperson in der Nähe sein.
Bei Verwendung der Onlineumfrage müssen keine Dateien gespeichert und übermittelt werden. Alle Antworten werden DSGVO-konform auf Servern des ITA in Deutschland gespeichert. Sollte es in Ihrer Werkstatt unmöglich sein, Interview-Tablets oder -Laptops mit Onlinezugang bereitzustellen, kann ein internetfähiges Tablet gegen Gebühr zur Verfügung gestellt werden. In Ausnahmefällen ist eine Verwendung von Papierfragebögen möglich. In diesem Fall trägt die WfbM den Mehraufwand, der durch Eingabe der Daten in die Online-Version entsteht bzw. übernimmt diese Aufgabe selbst.
Fragebögen
Im Folgenden können Sie die aktuellen Fragebögen einsehen und gerne auch zur Schulung der Interviewer nutzen. Bitte geben Sie sie nicht an Außenstehende weiter!
- Sammlung aller Fragen der verschiedenen Fragebögen: MAB_Auswahloptionen_2026.xlsx
- Feststellungsbogen für Mitarbeiter mit betriebsintegriertem Arbeitsplatz: Feststellungsbogen_BiAP_2020.pdf